Trauer um Werner Deeg
Für den Parcoursbau schlug sein Herz: Werner Deeg ist vergangenen Freitag auf dem Heimweg von einem FEI-Seminar in Tokio überraschend verstorben. Der Franke gehörte nicht nur zu den bekanntesten Parcourschefs weltweit, sondern prägte über viele Jahre hinweg als führender Ausbilder die internationale Szene. Gemeinsam mit seinem langjährigen Kollegen Olaf Petersen reiste er um den Globus. Petersen war auch an seiner Seite, als Deeg im Flugzeug einen medizinischen Notfall erlitt. Trotz sofort eingeleiteter Wiederbelebungsmaßnahmen konnte der 75‑Jährige nicht gerettet werden.
Bereits mit zehn Jahren begann Werner Deeg beim RFV Feuchtwangen zu reiten. Schnell spezialisierte er sich auf das Springen und sammelte zahlreiche Siege und Platzierungen in Prüfungen der schweren Klasse. 1981 entdeckte er seine Leidenschaft für den Parcoursbau. Nach der Prüfung für L-Parcours folgte bald die Qualifikation für Springen der Klasse S. Einer seiner frühen Mentoren war der inzwischen verstorbene Dieter Heinz. Ein prägender Wegbegleiter wurde später Olaf Petersen, einer der renommiertesten Männer des internationalen Springsports.
„Ich bin immer zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Leuten begegnet“, pflegte Deeg zu sagen.
Diese Begegnungen formten eine Karriere, die ihn in 74 Länder führte – als Parcourschef und als Chefsteward Springen bei den Olympischen Spielen in Atlanta, Sydney und Athen. Seit 1991 war Deeg International Course Designer und damit auf höchstem Niveau weltweit im Einsatz.
Ausbilder mit Leidenschaft
Die Förderung des Nachwuchses war für Werner Deeg immer ein zentrales Anliegen. Schritt für Schritt stieg er auf der Ausbildungsleiter nach oben und wurde 2001 zum „Chairman FEI Working Group Course Design“ berufen – der inoffizielle Titel eines weltweiten Chefausbilders im Parcoursbau. Mit der neu gegründeten FEI-Arbeitsgruppe sollte ein einheitliches Ausbildungsprogramm entstehen. Bis dahin gab es weder klare Strukturen noch standardisierte Lehrinhalte. Werner Deeg war maßgeblich daran beteiligt, ein transparentes Levelsystem einzuführen, das bis heute Grundlage der internationalen Parcoursbauer-Ausbildung ist. Hierfür investierte er unermüdlich Zeit, Know‑how und Leidenschaft.
Ein Leben für den Sport
Neben seinem Engagement für die FEI führte Deeg weiterhin die familieneigene Fahrschule – allerdings eher am Rande. Sein Hauptberuf und seine Berufung blieben der Parcoursbau. Er hinterlässt drei erwachsene Töchter und eine beeindruckende Lebensleistung, die weltweit Spuren hinterlässt.
Der Bayerische Reit- und Fahrverband spricht den Hinterbliebenen, insbesondere seiner Ehefrau und seinen Töchtern, sein tief empfundenes Beileid aus. Wir trauern um einen außergewöhnlichen Experten, einen leidenschaftlichen Ausbilder und einen warmherzigen Menschen, der unseren Sport über Jahrzehnte bereichert hat.
Fotoquelle: FN-Verlag








